Kategorie: Christian Bakanic

Christian Bakanic steht exemplarisch für eine Generation österreichischer Musiker, die das Akkordeon – ein Instrument, das lange mit folkloristischen Klischees behaftet war – in neue künstlerische Dimensionen geführt hat: Dass das Akkordeon in den letzten Jahren sein Image radikal verbessern konnte, ist nicht zuletzt Virtuosen wie Christian Bakanic zu verdanken. Was ihn dabei von vergleichbaren Grenzgängern unterscheidet, ist die Tiefe und Konsequenz seiner stilistischen Synthese: Seine musikalischen Zugänge vermischen sich auf subtile Weise in seinen Kompositionen und verbinden die komplexe Spontanität des Jazz, die temperamentvolle Leidenschaft des Tango Nuevo, das disziplinierte Moment der Klassik mit vielschichtigen Traditionen europäischer Volksmusik. Diese Vielstimmigkeit entfaltet er nicht als Solist allein, sondern vor allem als musikalischer Netzwerker: Die Projekte, an denen er sich beteiligt hat und die durch sein facettenreiches Akkordeonspiel wesentlich geprägt waren, sind auch außerhalb der jeweiligen Nischen bekannt – ob Beefolk, Trio Infernal oder Folksmilch. In all diesen Ensembles fungiert er weniger als Virtuose im Rampenlicht als vielmehr als kompositorischer und klanglicher Mittelpunkt, der unterschiedlichste Musiker und Stile zu einem kohärenten Ganzen formt. Auch als Komponist – für Theater, Kammermusik und neue Volksmusik – sowie als Kooperationspartner von Größen wie Wolfgang Muthspiel, Markus Schirmer oder Klemens Bittmann hat er sich tief in die österreichische Szene eingeschrieben. Die Quintessenz seiner Arbeit ist die stete Bewegung, der immerwährende Austausch und nicht zuletzt die spannende Suche nach neuen Möglichkeiten – und genau darin liegt seine Bedeutung: Bakanic ist kein Exot am Rand der Musiklandschaft, sondern ein stiller Motor in deren Zentrum, der Volksmusik, Jazz und Klassik nicht nebeneinander stellt, sondern zu etwas genuinen Neuem verschmilzt.

Christian Bakanic