Kategorie: Jimmy Schlager

Jimmy Schlager – bürgerlich Hans Peter Stadlbauer, geboren 1966 in Ebenthal im Weinviertel – ist eine der eigenwilligsten und authentischsten Stimmen der österreichischen Dialektkultur, deren Bedeutung gerade darin liegt, dass sie sich konsequent dem Gravitationsfeld der Wiener Kulturszene entzieht und stattdessen das Weinviertel – eine Gegend, die für den Tourismus ungefähr so attraktiv ist, wie Touristen es für die Bewohner wären – als unerschöpfliche Quelle künstlerischen Rohmaterials begreift. Als Chansonnier, Gitarrist und Kabarettist, zu dessen künstlerischen Vorbildern Helmut Qualtinger, Bob Dylan und Georg Danzer zählen, hat er sich vor allem mit seinen satirischen Mundarttexten einen Namen gemacht – eine Vorbildkonstellation, die sein Wesen treffend umreißt: die Lakonie des Wiener Beobachters, die moralische Direktheit des amerikanischen Songpoeten und die lyrische Wärme des österreichischen Liedermachertums in einem. Als Slang-Pop-Poet hat er einen unverwechselbaren Stil entwickelt, ausdrucksstark, kreativ und unkonventionell, mit einem Talent für eingängige Melodien und der Fähigkeit, komplexe Themen in einfache, aber prägnante Worte zu fassen. Was sein Schaffen dabei so wertvoll für die österreichische Kunstszene macht, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass er dem Regionalen keinen folkloristischen Anstrich verleiht, sondern es mit schonungslosem Blick durchleuchtet: Er ist ein hervorragender Beobachter, der aus vielen Augenblicken und Lebensgefühlen seine Gedanken intellektuell, anspruchsvoll, gnadenlos lustig, rührend, absurd und heimelig vertont. Dass er dieses Werk inzwischen über das Musikalische hinaus auch in Buchform und mit eigenen Buntstiftillustrationen weiterdenkt, zeigt einen Künstler, der seine Mittel konsequent erweitert, ohne seinen Ausgangspunkt je zu verlassen: das Weinviertel als Weltbühne, auf der die großen menschlichen Komödien im Kleinen aufgeführt werden.

Jimmy Schlager