Kategorie: radio.string.quartet
Das radio.string.quartet – Bernie Mallinger, Igmar Jenner, Cynthia Liao und Sophie Abraham – steht für nichts weniger als die Neuerfindung des Streichquartetts als zeitgenössische Kunstform und hat sich damit zu einer der international bedeutsamsten Ensembles positioniert, die die österreichische Musikszene in den letzten zwei Jahrzehnten hervorgebracht hat. Das Quartett hat sich im Non-Classical-String-Quartet-Genre einen festen Platz neben den US-Pionieren vom Kronos Quartet und dem Turtle Island Quartet erspielt – eine Einordnung, die die außergewöhnliche internationale Strahlkraft dieses Wiener Ensembles unterstreicht. Ihre Wirkung speist sich dabei aus einer radikal offenen Haltung gegenüber Genres und Stilen: Ausgehend von Einflüssen aus Klassik, Rock, Jazz, Folk, Pop, elektronischer und zeitgenössischer Musik entwickelt die Band ihre eigene Klangwelt, in der die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation, zwischen Hochkultur und Populärmusik konsequent durchlässig gehalten werden. Ebenso bedeutsam ist ihre Funktion als musikalisches Verbindungsglied innerhalb der österreichischen Szene: Mit ihrer Hommage an Joe Zawinul ehrten sie einen der größten Söhne der Wiener Jazzgeschichte, ihre Zusammenarbeit mit Roland Neuwirth auf dem Album „Erd" verknüpfte zwei Generationen der Wiener Musikerneuerung, und ihre Kooperationen mit Klaus Paier, Christian Bakanic oder Herbert Pixner zeichnen eine Landkarte der kreativsten Kräfte der heimischen Musik der Gegenwart. In diesem Sinne verstehen sich die Mitglieder als Protagonisten einer neuen Wiener Streicherschule: Wien mit seiner reichen Musiktradition, aber auch mit seiner neuen multikulturellen Offenheit – und genau darin, in dieser Synthese aus Tradition und Weltoffenheit, liegt ihre bleibende Bedeutung für die österreichische Kunstszene: Das radio.string.quartet beweist, dass Wien nicht nur von seiner musikalischen Vergangenheit zehrt, sondern sie aktiv in die Gegenwart weiterdenkt.