Kategorie: Roland Neuwirth

Roland Neuwirth ist die wohl prägendste Figur der Erneuerung des Wienerliedes im 20. und 21. Jahrhundert – ein Künstler, dessen Bedeutung für die österreichische Musikkultur darin liegt, dass er eine Tradition, die viele bereits abgeschrieben hatten, nicht nur gerettet, sondern neu erfunden hat. Er ist kreativer Erneuerer und Neuerfinder des Wienerlieds, der es versteht, die Musik in und aus Wien von Kitsch und Staub zu befreien – und das zu einem Zeitpunkt, als diese Musik, wie er selbst beschrieb, bestenfalls als verstaubt belächelt und schlimmstenfalls als reaktionär abgetan wurde. Neuwirth suchte und fand ein einheimisches, die Volksseele berührendes Pendant zum Blues des Mississippi-Deltas: das Wienerlied und die Schrammelmusik, bereichert durch die Mundart der Gegenwart und swingenden Rhythmus – eine Synthese, die ihm eine künstlerische Sprache schenkte, die zugleich tief verwurzelt und radikal zeitgenössisch ist. Mit seinen Extremschrammeln schuf er dabei nicht nur ein musikalisches Ensemble, sondern eine eigene Klangwelt, die Rock, Blues und Funk mit klassischer Schrammelbesetzung zusammenführt und damit Generationen nachfolgender Musiker – von den Strottern bis zu Andyman – in ihrer Suche nach einer authentischen Wiener Musiksprache beeinflusst hat. Bei und mit ihm übten viele Musikerinnen und Musiker ihr Handwerk, und als Gastdozent an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie als Mitbegründer des Wienermusik-Festivals „wean hean" wirkte er weit über die Bühne hinaus als Lehrer, Kurator und Bewahrer eines lebendigen Erbes. Er schrieb mehr als 300 Lieder für Duo- und Schrammelbesetzung, darüber hinaus Tänze, Walzer, Orchesterwerke sowie Theater-, Film- und Hörspielmusik – ein Œuvre, das in seiner Breite und Konsequenz seinesgleichen sucht und Roland Neuwirth als einen der unentbehrlichsten Gestalter der österreichischen Musikidentität der Gegenwart ausweist.

Roland Neuwirth