Kategorie: Timna Brauer

Timna Brauer ist eine der vielseitigsten und kulturell vielschichtigsten Künstlerinnen, die Wien hervorgebracht hat – die bekannteste, vielseitigste und für viele auch beste Chansonnière Österreichs, deren Bedeutung für die heimische Kunstszene gerade in ihrer Uneinordenbarkeit liegt. Als Tochter des Malers Arik Brauer und einer jemenitisch-israelischen Mutter, aufgewachsen zwischen Wien, Paris und Israel, trägt sie kulturelle Vielfalt nicht als Programm, sondern als gelebte Identität in sich: „Ich bin eine Mischung aus allem, damit hab ich das Crossover im Blut" – eine Haltung, die sich in einem Repertoire niederschlägt, das von israelischer Folklore über französische Chansons bis zu Jazz, jiddischen Liedern und gregorianischen Chorälen reicht. In der strahlenden Aura dieser Wiener Weltenmusikerin und Brückenbauerin spiegelt sich das farbenfrohe Gesicht der jüdischen Kultur – und damit ein Aspekt Wiens, der in der offiziellen Selbstdarstellung der Stadt oft unterbelichtet bleibt. Ihre vielleicht bedeutsamste Wirkung entfaltete sie mit dem Friedensprojekt „Voices for Peace", einer palästinensisch-israelischen Chorgruppe, für die sie gemeinsam mit Elias Meiri durch ganz Europa tourte und die sie selbst als einen der Höhepunkte ihrer Laufbahn bezeichnet – ein Projekt, das ihr den Thies-Knauf-Kulturpreis sowie den GlobArt Innovation Award einbrachte. Ebenso bemerkenswert ist ihre CD „Chant for Peace", bei der sie mit den Zisterziensermönchen von Heiligenkreuz jüdische Sakralmusik und gregorianische Choräle vereinte und die bei der Deutschen Grammophon erschien. Brauer ist darüber hinaus Lehrerin, Kinderbuchautorin, Malerin und Kuratorin der Kunstsammlung ihres Vaters – sie singt, komponiert, verfasst und illustriert Kinderbücher – und wirkt damit als lebendiges Bindeglied zwischen den Generationen und Kulturen einer Stadt, die ihre kosmopolitische Seele nicht immer laut genug bekennt.

Timna Brauer