Kategorie: Wiener Tschuschenkapelle

Die Wiener Tschuschenkapelle ist weit mehr als eine Weltmusikband – sie ist seit ihrer Gründung 1989 durch den burgenlandkroatischen Musiker und Wahl-Wiener Slavko Ninić eine der konsequentesten kulturpolitischen Aussagen der österreichischen Musikszene. Bereits der Name war bei seiner Entstehung eine bewusste Provokation: Durch die Selbstbenennung als „Tschuschen" machte die Kapelle sich nicht nur über diesen Begriff lustig, sondern führte seinen gehässigen Inhalt ad absurdum – und setzte damit ein Zeichen, das weit über die Musik hinausweist. Mit ihren musikalisch-politischen Botschaften ist die Kapelle mittlerweile fast eine österreichische Institution gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geworden, die in den 1990er Jahren Seite an Seite mit zivilgesellschaftlichen Initiativen wie SOS Mitmensch oder dem Wiener Integrationshaus auftrat und damit half, ein weltoffenes Wien hörbar zu machen. Musikalisch ist ihr Anspruch dabei ebenso hoch wie ihr politischer: Als Botschafter der Kulturen mit besonderem Augenmerk auf Österreich und die Balkanländer sind sie im Zeitalter der Ethno- und Weltmusik ein Garant dafür, dass Multikulturalität nicht zu einem langweiligen Crossover degradiert wird – stattdessen erklingt bei ihnen griechisches Rembetiko, bosnische Sevdalinka, türkisch-orientale Weisen und Wiener Melodie in einer Synthese, die zutiefst eigen und unverwechselbar ist. Dass ihr Stammpublikum dabei bunt gemischt ist: alt, jung, liberal oder konservativ, und hauptsächlich aus waschechten Österreichern besteht, ist vielleicht ihr eindrucksvollster Beweis dafür, dass Musik Grenzen zu überwinden vermag, die die Politik hartnäckig aufrechtzuerhalten versucht. Mit über 15 Alben, Auftritten an der Wiener Staatsoper gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern, einem Jubiläumskonzert im Wiener Konzerthaus und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik hat die Wiener Tschuschenkapelle ihre Rolle als Kultband längst institutionell bestätigt bekommen – ohne dabei je ihren subversiven Charme verloren zu haben.

Wiener Tschuschenkapelle