Kategorie: Georg Kreisler

Georg Kreisler ist eine der schillerndsten und widersprüchlichsten Figuren der österreichischen Kulturgeschichte – ein Künstler, dessen Bedeutung für die heimische Kunstszene gerade darin liegt, dass er sich ihr nie wirklich zugehörig fühlte und sie genau deshalb so scharf und unerbittlich durchleuchtete. In Leben und Werk hat er die Unangepasstheit zum Prinzip erhoben und war wahrscheinlich deshalb Österreichs einziger Anarchist von künstlerischem Weltrang. Mit seiner Verbindung aus virtuosem Klavierspiel, rabenschwarzem Humor und beißender Gesellschaftskritik schuf er ein Œuvre, das weit über das Kabarett hinausweist: Insgesamt schrieb Kreisler etwa 700 Songs, viele davon gelten als Klassiker des Kabaretts – hinzu kamen Opern, Operetten, Musicals, Theaterstücke und nach dem Ende seiner Bühnenlaufbahn Romane, Kurzgeschichten und Satiren. Stücke wie „Taubenvergiften im Park" oder „Der Musikkritiker" sind längst Teil des kollektiven Gedächtnisses des deutschsprachigen Humors. Sein Verhältnis zu Österreich blieb dabei von tiefer Ambivalenz geprägt: Als Jude 1938 zur Emigration gezwungen, kehrte er zwar nach Wien zurück, doch erklärte er: „Diese Stadt hat nie einen Finger für mich gerührt. Ich bin mehr weggebissen worden als zugelassen." Dennoch schuf er im Wien der Nachkriegszeit gemeinsam mit Gerhard Bronner, Helmut Qualtinger und anderen die goldene Ära des Wiener Kabaretts – eine Szene, die ohne Kreislers kompromisslose Stimme undenkbar wäre. Sein eigentliches Vermächtnis liegt in dieser unbeugsamen Haltung: Seine Lieder zeichnen sich durch hintergründigen, oftmals schwarzen Humor und kompromisslose Kritik an Gesellschaft und Politik aus – eine Tradition, die bis heute als Maßstab für politisch engagierte Kabarettkunst im deutschsprachigen Raum gilt.

Georg Kreisler